• /Einleitung /Motivation
    Meine Arbeit beschäftigt sich mit Menschen und dem was sie bewegt. Ich öffne das Gefüge einer zwischenmenschlichen Situation, und zwar genau in dem Moment, in dem sich die abgebildeten Personen eines Wendepunktes bewusst werden.

    Statt etwas Alltägliches zu zeigen, das lediglich an triviale Geschehnisse erinnert, möchte ich die Punkte des Umbruchs fokussieren. Die Aufmerksamkeit wird durch den Fakt der plötzlich unangenehm gewordenen Situation garantiert. Der Betrachter soll in die Bilder eintauchen und erkennen, dass es sich hier nicht um eine komfortable Stelle im Ablauf der von mir ausgewählten Lebensstränge handelt.

    Die Herleitung der Vorgeschichte werde ich jedoch nicht übernehmen. So kann der persönliche Kontext des Betrachters mit einfließen und die daraus resultierenden Annahmen um das Geschehen eine individuell verschiedene Geschichte bilden. Eine Fortsetzung des Momentes werde ich ebenfalls nicht liefern; der Betrachter hat also keine Möglichkeit seine bildbezogene Theorie zu überprüfen.

    Er wird entweder mit dem Bild abschließen, weil er denkt, dessen enthaltene Information entschlüsselt zu haben; oder er wird unzufrieden sein, weil er weiß, dass der Interpretationsspielraum zu groß ist. Möglicherweise wird er sogar die Diskussion mit einem anderen Betrachter suchen. Je nach Ähnlichkeit oder Befangenheit der anderen Person wird seine Vorstellung über den implizierten Verlauf differieren.

    /Analyse /Thematische Analyse /Das Fotografische Medium
    Das Medium Fotografie ist nicht nur chronologisch zwischen der Malerei und dem Film anzusiedeln:
    Die Fotografie kann ohne großen Aufwand Ausschnitte von nicht inszenierten Welten abbilden. Hierdurch hat sich auch die Malerei angepasst und ist offener, scheinbar zufälliger geworden. Die Abbildung der Wirklichkeit wurde durch den technischen Fortschritt Aufgabe des neuen Mediums Fotografie. Bis vor Beginn der modernen Malerei zeigten Bilder noch in sich geschlossene Szenen, genau ausbalanciert und narrativ komplettiert; wohingegen sie heute sowohl abstrakt, gegenständlich oder vollkommen von der Wirklichkeit gelöst sein kann.
  • Film ist im klassischen Sinn die Aneinanderreihung von »offenen« Lichtbildern, die nicht jeweils in sich geschlossen sind oder zwingend in Beziehung zueinander stehen, sondern erst im Zusammenhang eine Geschichte ergeben.
    In der heute zu beobachtenden Weiter- respektive Parallelentwicklung der abbildenden Fotografie zur Inszenierten Fotografie greift man auf die Komplexität der Malerei zurück: Durch ein gezieltes Verdichten der filmischen Erzähllogik wird auf einen Punkt hingearbeitet, an dem das Foto die narrative Breite eines Spielfilms haben kann.

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    Abläufe und Handlungen können gleichzeitig geschehen, ohne in Beziehung zueinander stehen zu müssen. Dem Betrachter wird eine Geschichte suggeriert – wie es sonst nur der Film möglich gemacht hat.

    /Positionierung der Inszenierten Fotografie
    Die Fotografie lässt sich in die folgenden drei Kategorien unterteilen, deren Übergänge teils fließend sind:

    Die Abbildung der Wirklichkeit und die Untersuchung der Wirklichkeit ist Aufgabe der Reportage-, Kriegs- und Straßenfotografen, die nicht in die Handlung eingreifen und keine Arrangements vornehmen. Sie bilden nur das ab, was wirklich stattgefunden hat. Ihre Arbeit besteht darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und einen Moment dokumentarisch aus einem persönlich ausgewählten Blickwinkel einzufangen.

    Das Verwandeln der Wirklichkeit durch Manipulation, durchgeführt vom Fotografen vor Ort oder bei der Ausarbeitung der Aufnahme, sowie die mögliche Missinterpretation des Bildbetrachters verändern die Realität. Eine Falschinterpretation liegt sowohl in der (evtl. gewollten) Zweideutigkeit eines Bildes als auch in dem Einfluss der persönlichen Vorgeschichte des Betrachters begründet.

    Das Kreieren einer Wirklichkeit durch den fiktional inszenierenden Fotografen/Fotoregisseur hat zum Ziel, mit genau der oben genannten individuellen Vorgeschichte des Zuschauers zu spielen und ihn die mögliche Realität selbst konstruieren zu lassen. Er verfasst seine eigene Geschichte, die mit den Fotografien und seinen dazugehörigen Assoziationen zum Leben erweckt wird. Die Kreation einer fiktiven Wirklichkeit ist Bestandteil der Inszenierten Fotografie.